Orinoco Delta (4 Tages Tour)

Orinoco Delta (4 Tages Tour)

Geschrieben von Caro (2014).

Orinoco Delta: Entspannung nach dem Trekking.

Nach dem Roraima Trekking kamen uns ein paar entspannte Tage im Orinoco Delta passend vor. Wir entschieden uns Für eine 4 Tages-Tour:Genug zu Fuss, jetzt erstmal wieder ab aufs Boot. Außerdem sollte das Delta mit seinem Regenwaldfeeling einen schönen Kontrast zur Gran Sabana mit den Tafelbergen bieten. Und so war es auch.

Tag 1 Von Puerto Ordaz In Orinoco DELTA

Von Puerto Ordaz aus wird unsere aus 2 Italienern, 2 Dänen, 3 Deutschen und uns beiden bestehende Gruppe im Kleinbus ca. 1 ½ Stunden zum Hafen gebracht, von wo aus die Reise nur noch per motorbetriebenem Holzboot weitergeht. Ein kurzer Stop an der “Bomba”, der Bootstankstelle, und Boote wie Passagiere haben die Möglichkeit, sich noch einmal flüssig aufzutanken. Schließlich dauert die Fahrt über den Orinoco noch einmal ca. eine Stunde bis zu unserer Bleibe. Aber das macht nichts. Wir lehnen uns zurück, schlürfen unsere Cola in der Sonne, während der Fahrtwind unsere Haare zerzaust, und lassen den Regenwald an uns vorbeiziehen. Schließlich verlangsamt Luiz, unser Fahrer, das Tempo und wir biegen ein in einen kleinen Wasserweg, an dem ICH ohne Weiteres sicher vorbeigefahren wäre!

Orinoco Delta Venezuela

Der Weg misst nur noch gute 4-5 Meter, Äste hängen tief und ständig müssen wir uns ducken und gegenseitig näherkommendes Geäst ankündigen, um schmerzhaften Überraschungskontakt zu vermeiden. Dies gelingt gut im Teamwork und wir erreichen den Steg der “Orinoco Queen”. Das gesamte Hotel ist auf Holzpfählen gebaut. Auch die kleinen auf Pfählen gebauten Hütten mit 2-3 Bett Zimmern sind nur über Stege erreichbar. Momentan ist der Wasserstand niedrig und auf den zum Teil trockenen Stellen unterm Steg wimmelt es von kleinen Krebsen, die über den Schlamm krabbeln.

Zum Nachmittag hin allerdings soll das Wasser steigen. Ebbe und Flut am Orinoco. Wir inspezieren unsere Zimmer, die glücklicherweise alle ein Moskitonetz pro Bett aufweisen und ein eigenes kleines Bad. Mein Highlight ist allerdings der Balkon mit Blick auf den Orinoco. Nach dem gemeinsamen Mittagessen geht es gut gestärkt los mit dem motorisierten Gefährt, um nach der Tierwelt des Regenwaldes Ausschau zu halten. Dank unseres Guides Alexis sehen wir hiervon so einiges. In schneller Fahrt gibt er Luis plötzlich ein Zeichen. Dieser macht prompt eine Wende und endlich nehmen auch wir das Rascheln in den Baumwipfeln wahr. Eine Gruppe Kapuzineräffchen tummelt sich in den Ästen. Da die Tiere besonders neugierig sind, machen wir zwar den Motor aus, doch unser Guide klopft immer mal wieder auf das Holzboot. Und tatsächlich kommen die Äffchen immer näher heran. Schon putzig die Kleinen. Auch blaue Aras, die immer weniger in freier Wildbahn zu finden sind, fliegen über uns hinweg.

Orinoco Delta Venezuela

Kurz vorm Sonnenuntergang rupft unser Guide auf einmal etwas längliches gelbes von einem am Ufer stehenden Baum. Es sieht eigentlich aus wie eine sehr schmale Bananenfrucht. Doch der Guide klopft einmal oben auf das längliche Ding und schnipst es einmal mit dem Finger an, da öffnet sich die Stange plötzlich und zum Vorschein kommen rote lange Blütenstempel. Jeder Dame im Boot wird schließlich ein solches “Sträußchen” überreicht bevor wir mit dem Sonnenuntergang wieder ins Hotel zurückfahren.

Orinoco Delta Venezuela

Zum Abendessen gibt es Hühnchengeschnetzeltes mit Dschungelkartoffeln. Letztere sehen durch ihre violette Farbe etwas abschreckend aus, schmecken aber besser als sie aussehen. Als wir später in unseren Bettchen liegen, lauschen wir noch einige schöne Momente den Dschungelgeräuschen und dem leichten Schwappen des Orinoco.

Tag 2 Orinoco DELTA

Um 6 Uhr früh werde ich wach durch ein tiefes Dröhnen, das durch den Dschungel geht: Die Brüllaffen haben zum Konzert gerufen und der Klang hallt kilometerweit. Es klingt fast bedrohlich, so laut ist es. Später erfahren wir, dass es lediglich zwei Affen gewesen sein sollen. Ich bin beeindruckt und fast enttäuscht, als das Dröhnen ganz plötzlich wieder verstummt und das typische Zirpen und Glucksen des Dschungels wieder die Geräuschkulisse übernimmt. Die Brüllaffen sind auch Thema beim Frühstuck unserer Gruppe. Alexis verspricht uns, uns später Brüllaffen live zu zeigen. Wir sind gespannt.

Orinoco Delta Venezuela

Erst einmal geht es aber voller Energie mit dem Boot zur Eingangsstelle in den Dschungel. Das heißt, ab jetzt geht es zu Fuß weiter. Und das gestaltet sich tatsächlich als größere Herausforderung als erwartet. Wir befinden uns gerade in der Wechselzeit von der Trocken- zur Regenzeit, doch das reicht, den Regenwaldboden ordentlich aufzuschwemmen. Und so stampfen wir einer hinter dem anderen durchs Geäst. Doch alle Mühe wird leider nicht belohnt. Das stehende dunkle Wasser lässt die zum Teil sich darunter verbergenden Löcher im Boden leider nicht erkennen und so schwappt das Wasser eben doch in die Gummistiefel. Das gibt dem Ganzen noch ein Endeckergefühl und wir stellen uns vor, wie einst Alexander von Humboldt neue Wälder zu durchkämpfen. Alexis zeigt uns später noch, wie die hier im Orinoco lebende Bevölkerung Beeren von den Palmen erntet und lässt uns auch Palmherzen probieren.

Orinoco Delta Venezuela

Wir steigen wieder ins Boot und haben durch die Hitze im Dschungel etwas Durst bekommen. Kein Problem. Hier im Orinoco wächst das Wasser auf den Bäumen! Luis hält an einer Palme und wie ein Affe klettert Alexis hinauf und lässt die Kokosnüsse ins Wasser plumpsen. Diese werden gekonnt mit der Machete aus dem Wasser gefischt und schwungvoll geöffnet. Nach etwas Arbeit durch Luis hält jeder glücklich und zufrieden seinen Kokosmilch-Cocktail in der Hand. Und als wäre das noch nicht genug, hält Alexis tatsächlich sein Versprechen: Nach ein paar Metern mit dem Boot haben wir die Brüllaffen direkt vor uns in den Baumwipfeln sitzen. Inklusive eines Babyaffen, der etwas tollpatschig hinter einem ausgeswachsenen Tier herklettert. Wir sind reif fürs Mittagessen und können danach noch ein wenig entspannen. Dies tue ich am Besten auf dem Balkon! Einfach herrlich! Ein Eisvogel fängt gegenüber am Ufer gerade sein Lunch. Darunter schlängelt sich was an der Wasseroberfläche entlang… Hier könnte ich Stunden verbringen und es würde nicht langweilig werden. Da bin ich sicher.

Orinoco Delta Venezuela

Am Nachmittag ist Angeln angesagt. Und zwar Piranhas! Wir fahren wieder ein Weilchen und wenn die Sonne bedeckt ist, wird es durch den Fahrtwind doch etwas kühl. An der festgelegten Stelle, an der die Fische sich aufhalten sollen, erhält jeder von uns eine Angel in die Hand, bestehend aus einem langen, robusten und etwas elastischen Wedel, an dem die Schnur befestigt wurde. Am Ende dieser befindet sich aber eben keine Fliege, sondern ein Stückchen rohes Fleisch! Das Wasser ist absolut undurchsichtig. Das Leben unter der Wasseroberfläche kann also nur ca. bis zu 10cm Tiefe erahnt werden. Die Phantasie wird allerdings angeregt, als plötzlich die Ruten anfangen zu zucken und ein Deutscher neben mir plötzlich feststellen muss, dass die Piranhas wohl schlauer sind als er: Das Fleisch ist komplett abgenagt und der Haken leer.

Orinoco Delta Venezuela

Nach einer halben Stunde geben wir uns geschlagen. Keiner von uns hat einen Piranha gefangen. Ich werfe mein übriges Stück Fleisch (auch mein zweites!) noch lose ins Wasser. Ich sehe es nach dem Platschen noch langsam sinken und bekomme plötzlich eine Gänsehaut, als aus dem Nichts unter Wasser etwas von rechts anschnellt und das helle Stück Fleisch mit einem Haps verschwindet.

Wir finden auf dem Rückweg noch ein paar leuchtend pinke Ibis Vögel und Wildenten bevor wir mit dem Sonnenuntergang von Alexis zum Baden eingeladen werden. In diesem Moment kostet mich der Sprung ins undurchsichtige Wasser etwas Mut und viel Vertrauen. Springen wir schließlich in das selbe Gewässer, in dem vor kurzer Zeit noch rohes Fleisch in einem Haps verschluckt wurde. Dieses Stück Fleisch wollte ich schließlich nicht sein. Der Däne macht den Anfang. Er schreit auf! Und fängt im selben Moment an zu lachen, als er unsere Gesichter erblickt. Nach dem Scherz ist die Scheu vergessen und wir alle plantschen mitten auf dem Orinoco, während hinter uns die Sonne untergeht.

Nach dem Abendessen fallen wir unter’s Moskitonetz und lauschen dem Dschungel.

Tag 3 Orinoco DELTA

Nach dem Frühstück teilt sich unsere Gruppe. Das italienische und das dänische Pärchen fahren mit dem motorisierten Boot los auf weitere Tiersuche, während wir anderen uns den Einbaum schnappen und mit Luis drauf los paddeln an unseren Balkonen vorbei den schmalen Wasserweg entlang. Mangrovenartig kämpfen wir uns immer wieder durch die Pflanzenwelt, über uns klettern wieder Kapuzineräffchen, von denen wir gleichermaßen beäugt werden wie wir sie beobachten. Fledermäuse tauchen immer wieder im Schwarm auf und sobald sie sich an einen Ast hängen, verschmelzen sie sofort wieder mit der Baumfarbe, als wären sie nie da gewesen. Zum Teil hört man nur das leichte Eintauchen der Paddel, die uns nach vorne ziehen und dieses herrliche Zirpen und Glucksen aus dem grünen Blättermeer. Als der Weg schließlich undurchdringbar wird, kehren wir um. Die richtige Entscheidung. Inzwischen ist das Wasser nämlich bereits gestiegen und die Lücke zwischen Wasseroberfläche und einem dicken heruntergefallen Stamm ist nicht mehr passierbar. Abenteuerlich und sportlich klettern wir alle auf den Stamm. Luis manövriert den Einbaum danach irgendwie ÜBER den Stamm und lässt uns auf der anderen Seite wieder Platz nehmen.

Nach dem Mittagessen haben wir heute eine etwas längere Tour mit dem Motorboot vor uns. Die schnelle Fahrt wird allerdings noch einmal gebremst, als Alexis plötzlich Finnen erspäht: Flussdelphine! Diese Wasserbewohner seien wohl meist an einem bestimmten weißen Vogel zu erkennen, der generell über ihnen in der Luft schwebt. Und tatsächlich lassen sich die zwei Delphine, die dicht neben uns aufgetaucht waren und leider sehr scheu sind, so auch nach dem Abtauchen wieder auswendig machen.

Die Fahrt geht weiter und wir erreichen ein typisches Dorf der Orinoco Bewohner. Hier ist auch alles, wie in der Orinoco Queen, logischerweise auf Stelzen erbaut. Wir beobachten auch zwei Herren beim Hausbau. Oder besser: beim Start. Nämlich mit den Pfählen. Die Kinder spielen vergnügt im Wasser und sind außerdem bereits sichtlich geschickt mit dem Einbaum! Später schauen wir bei den Fischern des Ortes vorbei und werden auch hier wieder neugierig von den Kindern beäugt. Wenn wir nicht gerade mit ihnen “umdrehen und ’ich hab dich doch gesehen’” spielen, was zu viel Belustigung führt, suchen wir uns einen frisch gefangenen Fisch fürs Abendessen aus.

Dieser ist zwar nicht im Paketpreis inbegriffen, kostet aber nur einen Euro und wird von Alexis später für uns zusätzlich zum Abendessen zubereitet. Voll bepackt gehts wieder ins Boot. Mit sowohl winkenden Kindern als auch Bootspassagieren trennen sich unsere so unterschiedlichen Leben leider schon wieder.

Zum Abendessen präsentiert uns Alexis noch einen Babyskorpion und eine Vogelspinne! Allerdings nicht zum essen und vor allem lebendig! Vielleicht auch besser, dass wir auf unserem Fußmarsch durch den Dschungel auf keine getroffen sind. Obwohl es schon faszinierend ist, die Tiere mal in Echt vor sich zu sehen.

Tag 4 vom Orinoco DELTA Aus Ziehen wir weiter....

Nach dem Frühstück werden zeitig die Sachen gepackt und um 7 Uhr verlassen wir motorisiert die Orinoco Queen. Meinen Balkon werde ich vermissen und auch diese beruhigenden Klänge aus dem grünen Blütenmeer.

Und während mir so der Wind durchs Haar saust, überlege ich schon, ob ich mir nicht für Zuhause einen Wecker einstelle mit Brüllaffenkonzert.

 

Wer schreibt hier?
Caro (2014)

Caro, unsere studentische Aushilfs- "Gute Seele" reiste von April bis Juni durch Mexiko und Venezuela. Von Cancun ging es durch Yucatan, weiter nach Mexiko Stadt, über Bogota und Curacao nach Venzuela. In Venzuela trekkte Caro 5 Tage auf den Tafelberg Roraima, besuchte Canaima und das Orinoco Delt.


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