Währung in Venezuela

(Probleme mit der) Währung in Venezuela

Geschrieben von Caro (2014).

Ein Land - zwei Währungen, willkommen in Venezuela!

Die Währung in Venezuela und seine ZWEI Wechselkurse: Wer Venezuela bereist, muss Cash dabei haben. Sonst wird es teuer. Warum? Das erklärt der kleine Bericht über die Währung in Venezuela aus Mai 2014.

Um sich in einem Land außerhalb der eigenen Währungszone bewegen zu können, benötigt man logischerweise die nationale Landeswährung, um sich seine gewünschten Güter nach Lust und Laune gegen Geld eintauschen zu können. Das kennen wir und das ist auch nichts Neues. Dennoch wurde ich auf meiner Reise durch Venezuela im Mai/Juni 2014 durch das Währungssystem in diesem lateinamerikanischen Land überrascht.

Wie auf allen meinen Reisen hatte ich mich wieder entschieden, nicht schon vorab Geld in Deutschland zu tauschen. DKB macht’s möglich und so wollte ich mit meiner VISA Karte am ersten Geldautomaten mein Geld abheben. Dieser befindet sich normaler- und bequemerweise direkt am Flughafenankunftsterminal. Da standen sie auch, die 3 ATM’s von unterschiedlichen venezolanischen Banken, alle schön mit der Aufschrift „außer Betrieb“ beklebt. Wie meine Reisebegleitung und ich später erfahren sollten: zu unserem Glück! Aufgrund von aktuellen Unsicherheiten in Caracas kurz vor unserer Ankunft, hatten wir noch einen Abholservice organisiert, der uns direkt vom Flughafen zum Busbahnhof bringen sollte. Die Idee war, Caracas so schnell wie möglich zu verlassen und lieber in den Süd-Südosten des Landes vorzudringen. Um unser Ticket nach Ciudad Bolívar bezahlen zu können, brauchten wir aber natürlich Bolívares, die venezonalische Währung. Zum Glück hatte ich noch ein paar amerikanische Dollar in der Tasche, kleine Reisereserve. Dollar können nie schaden! Unser Fahrer, der uns abgeholt hatte, erkannte unser Dilemma und bot an, uns 65 Bolívares pro Dollar zu tauschen. Da es am Busbahnhof, an dem wir uns bereits befanden, keinen Geldautomaten gab und wir die Hauptstadt gerne verlassen wollten, hatten wir nur bedingt eine Wahl und ich tauschte 40 USD. Der Fahrer erklärte uns, es wäre besser, bei ihm zu tauschen. „Nicht am Automaten! Wenn ihr doch Dollar habt!“ Wir nickten nur, ohne wirklich zu verstehen, was er damit meinte – waren wir doch erst einmal glücklich unser Ticket kaufen zu können. Außerdem hätte er uns in seiner Lage alles erzählen können. Hat er aber nicht. Er hatte Recht und obendrein hat er uns einen – wie wir im Laufe der Reise noch lernen sollten – fairen Kurs angeboten.

Am nächsten Morgen kommen wir mit dem Bus in Ciudad Bolívar an. Während wir noch unsere Rucksäcke aus dem Bus kramen, spricht uns ein Mann an, der uns eine Tour verkaufen will. Erst einmal würde er uns zu seiner Posada bringen und dann könnten wir über die Tour reden. Wir willigen ein und finden uns bald in einer knuffigen Posada im Zentrum von Ciudad Bolívar wieder. Man erklärt uns ganz genau, was alles Tolles im Paket inkludiert sei und nennt uns schließlich den Preis. Eine für unsere europäischen Ohren horrend wirkende Summe. Wir nutzen das Wifi in der Posada um im online Währungsrechner den aktuellen Kurs zu kontrollieren und die Summe in Euro zu berechnen. Es erscheinen 2.200€ in der kleinen weißen Box auf unserem Handybildschirm. Ungläubig gebe ich den Wert in Bolívares erneut ein und schaue was passiert. Nein, es bleibt dabei, der Kerl will uns ernsthaft eine 3-Tages Reise für über 2.000€ verkaufen. Dass wir über dieses Angebot alles andere als glücklich sind, geben wir ihm relativ schnell zu verstehen. Er schaut irritiert und versucht mit dem Preis noch etwas runter zu gehen... „Auch 2.100€ sind uns zu viel, tut uns Leid!“, entgegne ich ihm auf Spanisch. Da weiten sich seine Augen und ihm entweicht ein Grinsen. „2.100€? Ihr habt den offiziellen Kurs berechnet, deshalb!“, sagt er stolz über seine Erkenntnis. Er holt seinen Taschenrechner aus der Schublade, tippt wie wild und zeigt uns sein Ergebnis von 225€.

Tatsache! In Venezuela gibt es offiziell, und das hört sich jetzt komisch an, einen offiziellen und einen inoffiziellen Wechselkurs. Und das funktioniert so: Hebe ich am ATM in Venezuela Geld ab über die Kreditkarte einer deutschen Bank, wird mir automatisch der entsprechende Wert in Euro von meinem deutschen Konto abgezogen. Dieser Wechselkurs berechnet sich natürlich über den offiziellen von den Banken ausgegeben Kurs der Devisenmärkte. Auf den Straßen Venezuelas lebt ein ganz anderer Kurs, der inoffizielle. Hier läuft alles in Bargeld. Am beliebtesten sind Euro und USD. Tausche ich nun meine Euro beispielsweise auf der Straße, erhalte ich ein Zehnfaches des Wertes, den ich am Automaten für meine Euro erhalten hätte, in Bolívares zurück. Die Kurse variieren täglich und regional und welcher der „richtige“ ist, kann man nie hundertprozentig wissen. Aber egal, wen man auf der Straße fragt, jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der dir Bolívares verkauft. Geht man als Tourist durch die Stadt, besonders an Grenzgebieten zu beispielsweise Brasilien, hört man es nur so Zischen und Flüstern an allen Ecken. Alle verfolgen dich mit den Augen und wenn du neben ihnen stehst, sagen sie „Change-change-Dollar-cambio-cambio“. Da stellt sich die Frage, wer überhaupt noch einem anderen Job nachgeht?Eine Venezolanerin aus Caracas erzählt mir später, wie erfinderisch manche Bürger werden. Als Venezolaner darf man einmal im Jahr, wenn man einen internationalen Flug gebucht hat, in der Bank einen bestimmten Betrag Bolívares in USD wechseln. Um es zu veranschaulichen, gehen wir davon aus, es seien 500 USD. Diesen Wechsel gestattet dir die Bank allerdings nur, wenn du ein Flugticket vorzeigen kannst. Nun fliegt z.B. Pedro aus Caracas nach Buenos Aires, um einen Freund zu besuchen. So darf er durch sein Ticket 500 USD mitnehmen. Da er aber eine Unterkunft hat vor Ort und nicht viel für Essen ausgibt, weil sein Freund ihn einlädt, nimmt Pedro 300 USD wieder mit nach Venezuela. Tauscht er diese 300 USD nun am Schwarzmarkt, hat er das Flugticket mindestens wieder raus. Dieses System geht so weit, dass manche sich das günstigste Flugticket kaufen, dass sie auf dem Markt finden können und danach die 500 USD in der Bank tauschen zum offiziellen Kurs. Statt den gekauften Flug allerdings wahrzunehmen, gehen sie lieber auf dem Schwarzmarkt ihre soeben getauschten 500 USD wieder in Bolívares umtauschen und haben somit ein Zehnfaches des Wertes innerhalb von 24 Stunden gewonnen (minus den gekauften und nicht angetreten Flug natürlich). Inzwischen soll es bereits Geschäftsmodelle geben, in denen Kunden ein gefälschtes Reisedokument erhalten, dass sie bei der Bank vorzeigen können und welches günstiger sei als eben einen wirklichen Flug zu kaufen. Die Folgen weiten sich sogar auf den Flugverkehr aus. Die Flieger seien meist ausgebucht, aber halb leer. Die Passagiere, die allerdings wirklich fliegen wollen oder auch beruflich müssen, bekommen unter Umständen keinen Flieger mehr.Was der Staat politisch gegen den Schwarzmarkt tut, kann ich nicht beurteilen. Hierzu fehlen mir tiefere Einblicke in das politische System von Maduro. Geld am Schwarzmarkt ist in Venezuela allerdings eine Straftat, Polizeikontrollen in Grenzstädten aber habe ich beispielsweise nirgendwo gesehen. Und das obwohl jeder Venezolaner, mit dem ich mich unterhalten habe, über den inoffiziellen Kurs Bescheid weiß. Wie könnte die Regierung also nichts davon wissen?

Wie die Reaktion in der Posada gezeigt hat, ist der inoffizielle Kurs auf jeden Fall inzwischen zum reellen Kurs geworden.

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