Leticia Reisebericht: Am Amazonas in Kolumbien

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Ankunft in Leticia – Willkommen im Dschungel!

Willkommen zu meinem Leticia Reisebericht!

Knapp vier Wochen Reise durch Kolumbien liegen bereits hinter mir und nun steht der letzte und vielleicht aufregendste Abschnitt meiner Reise kurz bevor: Meine Reise an den Amazonas. Seit meiner frühen Kindheit stand der Amazonas für mich immer für undurchdringliche Wildnis, für eine einzigartige Tierwelt und für unentdeckte Geheimnisse des größten Flusssystems der Welt. Und nun ist es für mich endlich so weit, jenen Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Wie lebt es sich an einer so isolierten Region? Welche Tiere werde ich sehen? Und meine drängenste Frage: Gibt es überhaupt WLAN und Handyempfang?

Erst einmal heißt es, in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá zum Flughafen zu kommen, und das stellt aufgrund des chaotischen Verkehrs durchaus eine Herausforderung dar. Obwohl ich sonst immer überpünktlich bin, erreiche ich den Flughafen gute zehn Minuten nach Beginn des Boardings und springe in allerletzter Minute ins Flugzeug. Nach zwei Stunden Flug über dichte weiße Wolken durchdringen wir die Wolkendecke und ich sehe zum ersten Mal in meinem Leben die endlos erscheinende, tiefgrüne Waldlandschaft des kolumbianischen Dschungels.

Als wir endlich gelandet sind, stecke ich neugierig und voller Erwartungen meinen Kopf aus der Tür und bin sofort von der heißen, stickigen Tropenluft umgeben. Wenn man aus der kalten, mitten in den Bergen gelegenen Hauptstadt Bogotá kommt, ist der Klimaunterschied schon ein kleiner Schock, aber Kolumbien ist nunmal ein klimatisch und landschaftlich unglaublich vielfältiges Land, sodass es nach Brasilien die zweithöchte Biodiversität der Welt aufweist.

Am winzig kleinen Flughafen von Leticia muss ich erst einmal eine Tourismussteuer von rund zehn Euro bezahlen, dafür bekomme ich aber auch eine Zeitschrift und eine Karte vom kolumbianischen Amazonasgebiet. Mit dem Mototaxi bin ich schnell in der Stadt und an meinem Hotel in der Nähe des Stadtzentrums. Meine wichtigste Frage wird mir sofort beantwortet: WLAN gibt es, allerdings nur bei gutem Wetter. Wie auf Kommando brechen in diesem Moment die Wolken auf und es gießt wie aus Kübeln. Da der Handyempfang aber trotzdem funktioniert und ich eine kolumbianische Simkarte besitze, ist das aber kein Problem.

So schnell der Regen gekommen war, so schnell ist er auch schon wieder vorbei und die Sonne strahlt vom Himmel. Da ich ein Experte im Sachen Sonnenbrand bin, creme ich mich erst einmal ordentlich ein. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit ist man am Amazonas jedoch bereits nach wenigen Minuten so verschwitzt, dass man sich gerne zwölfmal am Tag duschen würde. Trotzdem mache ich mich auf zu einem ersten Orientierungsspaziergang durch die wohl abgelegendste Stadt Kolumbiens.

Wo sich Kolumbien, Peru und Brasilien treffen

Leticia ist wahrlich keine Stadt, die mit architektonischen Schmuckstücken punkten kann, dafür aber mit typisch amazonischen Pfahlhäusern, die bei einem hohen Wasserstand mitten im Fluss stehen. Bei meinem Besuch im April steht das gesamte Hafenviertel unter Wasser und die Kinder schwimmen im hellbraunen Fluss. Während ich mich frage, ob dies aufgrund der im Amazonas heimischen Piranhas, Krokodile und Riesenfischen eine gute Idee ist, erreiche ich den Hafen von Leticia und die kleine Markthalle, wo man jede Art von frischen Fisch aus dem Amazonas kaufen kann, darunter den bis zu drei Meter langen Piracurú.

Nachdem ich mir bei einer kleinen Agentur zwei Ausflüge für die nächten beiden Tage organisiert habe, mache ich noch einen kurzen Abstecher nach Tabatinga, der Nachbarstadt von Leticia. Nach einem kurzen Spaziergang merke ich plötzlich, dass sich etwas verändert hat. Aus den allgegenwärtigen, ohrenbetäubenden Lautsprechern vor sämtlichen Geschäften schallt plötzlich keine kolumbianische, sondern brasilianische Volksmusik, die Menschen bieten mir auf portugiesisch eine Taxifahrt mit dem Motorrad an, die Preise der Bananen werden mit Reais angegeben und die Uhr geht eine Stunde vor: Ich stehe mitten in Brasilien!

Leticia liegt nämlich im sogenannten Dreiländereck, dem Punkt, wo sich Kolumbien, Brasilien und Peru treffen. Hier genießt man die Vorteile von offenen Grenzen, denn innerhalb des Dreiländerecks finden keinerlei Kontrollen statt und man kann sich zwischen den drei Ländern völlig frei bewegen.

Zurück in Leticia kehre ich im Restaurant Tierras Amazonicas ein, wo ich mich durch die verschiedenen exotischen Säfte von mir vorher völlig unbekannten Früchten probiere und mir im Anschluss ein Stück leckeren Pirarucú, den drei Meter langen Monsterfisch, gönne. Für einen kleinen Preis bekommt man hier eine riesige Auswahl an amazonischen Gerichten, hauptsächlich Fisch, aber auch eine große Auswahl an vegetarischen Optionen.

Kanufahrt auf dem Río Gamboa

Mein zweiter Tag in Leticia beginnt am frühen Morgen, denn heute steht ein Ausflug in die Tiefen des Regenwaldes auf dem Programm. Mit einem wackeligen, aber immerhin motorisierten Holzboot geht es vom Hafen von Leticia erst einmal quer über den Amazonas auf die Insel Santa Rosa, welche bereits zu Peru gehört. Während wir im Regen über die erstaunlich hohen Wellen hüpfen, fällt mir auf, wie unglaublich breit der Amazonas ist.

Wir lassen Santa Rosa hinter uns, steuern entlang des Ufers flussaufwärts und halten Ausschau nach den tierischen Bewohnern des anliegenden Dschungels. Dabei werden wir nicht enttäuscht und erblicken schon nach wenigen Minuten die ersten Papageien, Tukane und viele weitere bunte Vögel. Nach einiger Zeit biegen wir in den ruhigeren Río Gamboa ab, dessen Wasser im Gegensatz zum braunen Amazonas ganz klar und fast schwarz ist. Schließlich erreicht unser Boot eines der Dörfer, welche heute noch von Familien des Amazonas bewohnt werden.

Hier scheint die Zeit stillzustehen. Die einfachen Pfahlhäuser sind nur mit schmalen, wackeligen Holzbalken miteinander verbunden. Lachende Kinder schwimmen im Fluss und ob wir nun in Kolumbien oder Peru sind, spielt keine Rolle mehr. Die Menschen hier identifizieren sich sowieso nicht mit ihrem Heimatland, sondern vielmehr mit dem Amazonas. Für uns heißt es nun umsteigen, denn nur mit dem Kanu kommt man noch tiefer in den Dschungel.

Durch das dichte Dickicht an Seerosen und Schilf steuern wir nun in den Wald hinein, denn im April stehen weite Teile des Amazonasgebietes unter Wasser. Hier ist insbesondere Vorsicht vor hängenden Lianen und Ästen angesagt, denn diese sind meist voller Stacheln, beißender Ameisen und weiteren Insekten wie Grashüpfern oder Spinnen. Doch der Dschungel beherbergt auch auch noch ganz andere Bewohner.

Plötzlich sehen wir, dass sich im Baum vor uns etwas langsam bewegt, was gewiss kein Insekt oder Vogel ist, sondern etwas deutlich größeres: ein Faultier! Hoch in den Bäumen leben hier diese Säugetiere, die 18 Stunden am Tag schlafen und in der restlichen Zeit nach Fressen suchen. Mit der Zeit entdecken wir weitere schlafende und auch aktive Faultiere. Zurück im Pfahldorf wird uns von der indigenen Gastwirtin ein leckeres Mittagessen aus Fisch, Reis, Bohnen und Sternfruchtsaft zubereitet.

Anschließend balancieren wir zu einem weiteren Haus, wo wir bereits von einem kleinen indigenen Mädchen erwartet werden, die ein Faultierbaby auf dem Arm hält. Jeder darf das Faultier einmal kurz halten; es klammert sich erstaunlich stark an mir fest und möchte mich gar nicht mehr loslassen. Nach dieser Begegnung bleibt noch Zeit, um in gemütlichen Hängematten mit Blick auf den Fluss zu entspannen, bevor es wieder zurück nach Leticia und somit zurück zur Zivilisation geht.

Tierische Begegnungen am Amazonas

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne und ich mache mich auf zum Hafen, denn heute erwartet mich ein ganztägiger Ausflug zu einigen der Highlights am kolumbianischen Amazonas. Wieder einmal betrete ich eines der wackeligen Boote und gemeinsam mit meinem Guide und der internationalen Kleingruppe schippern wir den mächtigen Amazonas hinauf. Nach etwa einer Stunde spritziger Fahrt erreichen wir mit der Isla de los Micos unseren ersten Stopp. Die Isla de los Micos ist nach der hier heimischen Affenart benannt. Zunächst lauschen wir einem kurzen, aber informativen Vortrag über die Insel und werden auf das uns bevorstehende Affentheater vorbereitet.

Anschließend geht es über einen kurzen Dschungelpfad ins Inselinnere und ehe ich mich versehe, werde ich auch schon von allen Seiten besprungen. Plötzlich sitzen zwei Affen auf meinen Schultern, einer auf meinem Kopf und drei weitere klammerten sich an meinen Armen und Beinen fest. Die Affen scheinen hier an Menschen gewöhnt zu sein, denn sie springen wild von einem zum anderen. Vor den Affen ist keiner sicher, leider aber auch nicht vor schmutziger Kleidung und den Exkrementen der Affen. Als scheinbar einziger hatte ich das Glück, nicht für den Rest des Tages mit vollgekoteter Kleidung oder Haaren rumlaufen zu müssen.

Ich empfehle einem jeden Besucher, sich einen Hut mitzunehmen und nicht unbedingt seine beste Kleidung anzuziehen. Trotzdem ist der Besuch der Affeninsel ein absolutes Highlight bei meinem Besuch am Amazonas. So nah wie hier kommt man den sonstigen Bewohnern des Dschungels in ihrem natürlichen Habitat nur sehr selten und wer kann schon von sich behaupten, schon einmal rund acht verschiedene Affen gleichzeitig auf Kopf und Schulter sitzen gehabt zu haben?

Nach diesem einzigartigen tierischen Erlebnis geht es zurück aufs Boot und weiter zu einem biologischen Park, wo wir in einem ruhigen Flussarm des Amazonas die bekannten Riesenseerosen und deren gigantischen Blättern bestaunen können. In einer kleinen Pfahlhütte genießen wir ein schmackhaftes amazonisches Mittagessen und machen uns nach einer kurzen Pause auf in Richtung der Comunidad Macedonia, einem traditionellem Dorf der Ticuna-Ureinwohner.

In einer der traditionellen Hütten werden wir von der Stammesführerin begrüßt und nach einer kurzen Tanzshow werden wir eingeladen, selbst gemeinsam mit den Ureinwohnern das Tanzbein zu schwingen und alle Fragen zum Leben auf dem Amazonas zu stellen. Danach haben wir die Möglichkeit, verschiedenes Kunsthandwerk zu kaufen. Zurück auf dem Boot steuern wir nun unserer letzten Station auf unserem Ausflug entgegen, nämlich dem Dorf Puerto Narino.

Doch bereits vorher kommt es zu einer Begegnung mit einem weiterem tierischen Bewohner des Amazonas, nämlich den berühmten Flussdelphinen. Zwar springen diese nicht wie die bekannteren Hochseedelpine aus dem Wasser und sind eher schüchtern; trotzdem sieht man deutlich die rosanen Schwanzflossen und sogar die Schnauze der Tiere. Begeistert von dieser völlig unerwarteten Begegnung erreichen wir Puerto Narino, was sich selbst als die Wiege der amazonischen Natur bezeichnet.

Amazonasdorf Puerto Narino

Puerto Narino ist das einzige größere Dorf von Kolumbien, wo es keinerlei motorisierte Fahrzeuge gibt und wo jeglicher Müll vorbildhaft getrennt wird. Bei einem kurzen Spaziergang fällt mir auf, wie ruhig und wie sauber es in Puerto Narino ist. An einer kleinen Eisdiele probiere ich mich durch die Eissorten an tropischen Früchten wie Acaí, Copoazú und Camu-Camu.

Danach steht eine Kanufahrt auf dem See Lago Tarapoto auf dem Programm, der ruhiger ist als der Amazonas und deswegen noch mehr Flussdelphine anlockt. Tatsächlich sehen wir bereits nach wenigen Minuten die markanten Schwanzflossen der Flussbewohner. Immer wieder tauchen die Delphine an verschiedenen Stellen des Sees auf; zu schnell für Fotos aber gerade noch lange genug, um einen Blick auf sie zu erhaschen.

Glücklich über die einmaligen Begegnungen mit den verschiedenen Pflanzen, Tieren und den menschlichen Bewohnern des Amazonas erreichen wir am späten Nachmittag wieder Leticia und es bleibt gerade noch Zeit, um den Sonnenuntergang vom Parque Santander zu bewundern, während hunderte Vögel unter lautem Gekreische aus dem Dschungel zurück in den kleinen Park fliegen.

Mit der Fähre nach Iquitos

Heute ist mein letzter Tag in Leticia und auch in Kolumbien, denn nach einem Monat in diesem wunderschönen und vielseitigen Land reise ich heute weiter nach Peru. Zwar gibt es innerhalb des Dreiländerecks keinerlei Grenzkontrollen; wenn man die Region allerdings verlässt, ist es notwendig, sich auf der schwimmenden Grenzstation im Hafen von Leticia den kolumbianischen Ausreise- und den peruanischen Einreisestempel in den Pass stempeln zu lassen. Nach der unkomplizierten Prozedur genieße ich an meinem freien Tag den erfrischenden Pool meines Hotels und statte dem brasilianischen Tabatinga einen erneuten Besuch ab.

Am späten Abend ist es dann soweit und mein Guide holt mich mit einem Mototaxi vom Hotel ab. Am Hafen von Leticia angekommen, müssen wir nun in einem kleinen Boot erst einmal nach Santa Rosa auf der anderen Seite des Amazonas fahren, denn von dort fährt die Fähre in Richtung Iquitos ab.

In völliger Dunkelheit ist es gar nicht so einfach mit einem schweren Rucksack über die schmalen und wackeligen Holzplanken ins Boot zu steigen, sodass ich das Brett knapp verfehle und mit einem Bein bis über die Knie im Amazonas versinke. Nachdem ich mich tagelang gegen ein Bad im Amazonas gesträubt hatte und banausisch den Hotelpool vorgezogen habe, war dies wohl nun die gerechte Strafe und ein aufregender letzter Schritt auf kolumbianischen Boden. Nass, aber glücklich erreiche ich Santa Rosa und besteige die Fähre, die mich in zwölf Stunden in die peruanische Großstadt Iquitos bringen soll.

Überraschend stelle ich fest, wie modern das Schiff ist. Kein Wunder, denn die aus Norwegen eingeschiffte Fähre Amazonas I ist auch erst seit wenigen Jahren im Dienst und bietet einen mir völlig unerwarteten Komfort. Bequeme Sitze, große Fenster, saubere Toiletten, eine Cafeteria und ein weitläufiges Deck mit funktionierenden Klimaanlagen hatte ich in dieser abgelegenen Region ehrlich gesagt gar nicht erwartet. Auf dem Deck im oberen Bereich des Schiffes fahren weitaus weniger Passagiere mit als im unteren Teil, sodass ich eine gesamte Sitzreihe für mich alleine habe und nach einem Schlaf über die ganze Reihe von den ersten Sonnenstrahlen geweckt werde.

Natürlich zieht es mich sofort auf die Außenterrasse des Schiffes, von wo ich eine atemberaubende Aussicht auf den Amazonas genieße, in dem sich die aufgehende Sonne spiegelt. Von der Fähre hat man außerdem die Möglichkeit, das Geschehen am Ufer und somit hauptsächlich viele verschiedene Vögel zu beobachten. Eine Fahrt mit der Fähre auf dem Amazonas ist wirklich eine Art des Reisens, die abseits der üblichen Touristenpfade stattfindet und mir einen ganz neuen Eindruck von dieser faszinierenden Region unserer Welt bescherrt hat.

Am späten Vormittag erreicht die Amazonas I schließlich das kleine Dorf Indiana, wo ich die Fähre verlasse und wieder festen Boden unter den Füßen habe, diesmal peruanischen. Von Indiana geht es anschließend weiter, denn Die Heliconia Lodge am Amazonas in Peru wartet auf mich.

JOVENTOUR bietet mit seinem Reisebaustein Kolumbien – Amazonas Tour (4 Tage) eine Reise nach Leticia an, auf der du unter anderem auch die Insel der Affen, Tabatinga und Puerto Narino besuchst.

Hier findest du auch weitere Infos zu der Fähre und den Fahrzeiten zwischen Leticia und Iquitos: Kolumbien und Peru kombinieren

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