Salento Reisebericht: Zwischen Kaffee und Palmen

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Willkommen zu meinem Salento Reisebericht!

Drei Wochen in Kolumbien Reise liegen bereits hinter mir und nachdem ich bereits über die kolonialen Dörfer Villa de Leyva und Barichara, der Abenteuerhochburg San Gil, den Traumstränden vom Tayrona-Nationalpark, dem ökologischen Paradies Minca ins lebensfrohe Cartagena gereist war, bin ich nun im regnerischen und lauten Bogotá gestrandet. So kam mir die relativ spontane Idee, der Großstadt für ein Wochenende zu entfliehen und den grünen Westen von Kolumbien zu erkunden: das Eje Cafetero.

Die Region Eje Cafetero wird auch als das Kaffeedreieck bezeichnet, setzt sich aus den Departements Caldas, Risaralda und Quindío zusammen und steht exemplarisch für Kolumbiens bekanntesten Exportschlager: den Kaffee. Inmitten der freundlichen, grünen Hügellandschaft zog es mich in den kleinen Ort Salento, der mitten im größten Kaffeeanbaugebiet von ganz Südamerika liegt und dessen hervorragender Kaffee bei weitem nicht das einzige ist, weswegen ein Besuch von Salento auf keiner Reise durch Kolumbien fehlen sollte. Von Salento aus lassen sich nämlich auch die höchsten Palmen der Welt bestaunen, aber lest selbst:

Ankunft im Salento

Willkommen im Land des Kaffees! Nach einer entspannten Nachtbusfahrt steige ich in der Stadt Armenia aus und finde völlig unkompliziert den kleinen Bus, der mich als einzigen Passagier zu der frühen Uhrzeit in etwa einer Stunde nach Salento bringt.

Als ich den Bus an Salentos Hauptplatz verlasse, kollidiere ich direkt schon einmal mit einem bunten Schmetterling, der mir mitten ins Gesicht fliegt. Diese erste Begegnung mit Salento sollte ein gutes Omen für meinen weiteren Aufenthalt sein. Bei einem ersten Orientierungsspaziergang durch Salento erkunde ich den von kunterbunten Häusern im traditionellem Paisa-Stil gesäumten Hauptplatz, an dem sich kleine Geschäfte, gemütliche Cafés, Restaurants, die kleine Kirche und der einzige Supermarkt des Ortes befinden. Am kleinen Verkaufspavillon kann man außerdem die Tickets für die Fahrten auf die Kaffeefincas in der Umgebung und in das für seine Wachspalmen bekannte Valle de Cocora kaufen.

Zunächst einmal beziehe ich jedoch mein Hotel Terrazas de Salento, welches einen kurzen Spaziergang vom Hauptplatz in der Nähe eines wunderschönen Aussichtspunktes liegt, von wo ich eine spektakuläre Aussicht über die Umgebung genieße. Das Hotel selbst überraschte mich mit einer Mischung aus kolumbianischer Gastfreundschaft und alpiner Gemütlichkeit, denn das Hotel steht unter österreichischer Führung und wurde mit viel Liebe eingerichtet.

Mein Besuch auf einer Kaffeefinca

Am Nachmittag mache ich mich dann auf zur Plaza, um von dort auf eine nahegelegene Kaffeefinca zu fahren. Die Fahrt zu den Fincas findet hier traditionell nicht etwa mit einem normalen Taxi oder Bus statt, sondern mit den sogenannten Willys, amerikanischen Jeeps aus den vierziger (!) Jahren. Natürlich kann man sich ganz normal in den Wagen setzen, doch ich entscheide mich für die abenteuerliche Variante, nämlich auf der kleinen Gepäckablage am hinteren Ende des Jeeps zu stehen und so eine viel schönere Aussicht während der Fahrt zu genießen. Nach einer sprizigen Fahrt über Stock und Stein erreicht unser Willy schließlich die Kaffeefinca El Ocaso.

Neben geführten Touren auf spanisch oder englisch bietet die Finca auch an, im historischen Gebäude zu übernachten und so das Erlebnis Kaffee noch intensiver zu genießen. Als die Führung über die Kaffeeplantagen beginnt, stattet uns unser Guide Andrés uns mit Körben aus, die wir uns vor den Bauch schnallen sollen. Denn wir dürfen uns als echte Kaffeepflücker ausprobieren und erleben die Arbeit auf der Plantage so an eigener Haut. Andrés erklärt uns alles über den Anbau von Kaffee und dass der kolumbianischer Kaffee der beste Kaffee der Welt ist, obwohl die Kolumbianer selbst lieber den billigen Tinto trinken. Tinto als Kaffee zu bezeichnen, sei laut Andrés schon kriminell. Jetzt dürfen wir selber durch die weitläufige Plantage strolchen und die roten und gelben Kaffeekirschen ernten, deren Kern die bei uns bekannten Kaffeebohnen darstellen. Doch der Weg des Kaffees ist weit; nach dem Entkernen und Waschen müssen die eher an Erdnüsse erinnernen Kaffeebohnen erst einmal trocknen, bevor sie dann geröstet werden und ihre typisch braune Farbe und ihr unwiderstehliches Aroma erhalten. Natürlich darf eine ausgiebige Verköstigung des von uns selbst aufgegossenen Kaffees nicht fehlen.

Nach der Rückfahrt mit dem Willy nach Salento muss ich am Abend natürlich noch die kulinarische Spezialität von Salento probieren: fangfrische Forelle!

Wandern im Valle de Cocora

Der nächste Morgen beginnt mit einer Ernüchterung, denn vor meinem Fenster herrscht dichter Nebel, der mir die sonst prächtige Aussicht auf den historischen Ortskern verwehrt. Doch die unglaublich herzliche Dame an der Rezeption ermutigt mich, trotzdem in das Valle de Cocora zu fahren. Gesagt getan, stehe ich kurze Zeit später mit Regenjacke bewaffnet hinten auf einem Willy und fahre in zwanzig Minuten in das legendäre Cocora-Tal, dessen Hauptattraktion die riesigen Wachspalmen darstellen. Die kolumbianische Wachspalme ist nicht nur der Nationalbaum von Kolumbien, sondern auch die höchste Palme der Welt; sie wird bis zu sechzig Meter hoch. Statt direkt links zu den Palmen zu gehen, entscheide ich mich für eine mehrstündige Rundwanderung durch das Tal und biege rechts ab. Schnell merke ich, dass ich absolut die falschen Schuhe für das Wandervergnügen anhabe, denn der Wanderwegs besteht praktisch nur aus feinstem Matsch und gnadenlos durchweichter Wiese. Während mich die Landschaft zunächst an die grünen Wiesen und saftigen Kuhweiden des Voralpenlandes erinnert, führt mich der enge Pfad bald in einen Wald, von wo aus der Weg stetig ansteigt. Hier streife ich durch den dichten Dschungel vorbei an subtropischen Pflanzen und knorrigen Bäumen. Ständiger Wegbegleiter ist der Fluss, den ich ein paar Mal über wackelige Hängebrücken überquere, die zwar absolut nicht vertrauenswürdig aussehen, mich jedoch unter schwindelerregendem Schwanken sicher ans andere Ufer bringen.

Nach einem kurzen Abstecher zum Wasserfall, geht es nun steil bergauf. Mit der Höhe ändert sich auch die Vegetation und der subtropische Dschungel mit seinen exotischen Pflanzen weicht einem gemäßigtem Kiefernwald. Wer möchte, kann eine Rast auf der Kolibri-Finca Acaime oder der Berghütte La Montana einlegen; ich entscheide mich jedoch dazu, meine Wanderung in Richtung der Palmen fortzusetzen. Endlich geht es bergab und nach wenigen Minuten tauchen auch schon die schmalen und unglaublich hohen Stämme der Wachspalmen im dichten Nebel auf. Hatte ich am Morgen noch gezweifelt, ob man die Palmen bei Nebel überhaupt sehen kann, bereuhe ich meine Entscheidung, doch ins Tal zu fahren, nun überhaupt nicht. Denn der dichte und sacht weiterziehende Nebel hüllt die atemberaubende Landschaft aus den ungewöhnlich geformten Palmen in eine mystische und geradezu surreale Kulisse, die mich sofort in ihren Bann zieht. Das Valle de Cocora ist einer dieser Orte, bei denen man sich fragt, ob es diesen Ort wirklich auf der Erde gibt oder ob man soeben einen ganz anderen Planeten betreten hat. Beeindruckt von der ganz eigenen Atmosphäre dieses einzigartigen Ortes steuere ich die verschiedenen Aussichtspunkte an, von denen man immer einen anderen Blickwinkel auf die Palmen von Cocora werfen kann.

Von hier geht es nur noch bergab über die aufgeweichte Wiese, vorbei an unzähligen riesigen Wachspalmen, die trotz ihrer beträchtlichen Anzahl im Cocora Tal vom Aussterben bedroht sind. Es mag vielleicht am Wetter liegen, dass ich die faszinierenden Wachspalmen am heutigen Nachmittag fast ganz für mich allein habe. Nach einer halben Stunde und gefühlt zweihundert Fotos erreiche ich wieder den Parkplatz, von wo aus die Willys zurück nach Salento fahren. Das wunderschöne Valle de Cocora und die höchsten Palmen der Welt hat mich trotz der unglaublichen Vielfalt Kolumbiens begeistert wie kaum ein anderer Ort. Zurück in Salento kehre ich im kleinen Restaurant Veggie Salento ein, wo man die vegane Variante typisch kolumbianischer Spezialitäten und vegane Gerichte aus aller Welt probieren kann.

Am nächsten Morgen öffne ich die Fensterläden meines Hotelzimmers und die Sonne lacht mir ins Gesicht. Auf dem Hauptplatz werden gerade frische, exotische Früchte an die ansässigen Restaurants geliefert und die Einheimischen tanzen ungezwungen zur neuesten kolumbianischen Herzschmerz-Volksmusik. Schade, dass ich heute zurück mit dem Bus nach Bogotá muss, denn von dort aus geht es für mich weiter nach Leticia an den Amazonas.

Warum nach Salento reisen?

Salento hat sich mir als ein absolutes Bilderbuch-Kolumbien. Mit der Ursprünglichkeit des kleinen Ortes mit seiner bunten Architektur, den vielen Kaffeefincas und -plantagen sowie dem Naturwunder des Valle de Cocora und seinen Palmen bietet Salento für mich die perfekte Mischung aus Kultur, Kaffee und einer faszinierenden Natur: Genau das, was Kolumbien ausmacht.

Salento liegt einige Stunden südlich von Medellín und stellt somit den idealen Zwischenstopp bei einer Reise von Bogotá nach Medellín dar, auch weil es einen erholsamen Kontrast zu den beiden Großstädten bildet. Zwar ist Salento mittlerweile bei Backpackern ziemlich beliebt und tatsächlich konnte ich bei meinem Aufenthalt noch viele andere Deutsche treffen; dafür ist die touristische Infrastruktur aber auch hervorragend ausgebaut und Salento konnte sich bislang noch den Charme eines traditionellen Dorfes inmitten des Kaffeedreiecks bewahren.

Auch unsere Kolumbien Rundreise (15 Tage) steuert Salento an; deinen freien Tag empfehle ich dir einer ausgiebigen Wanderung im Valle de Cocora zu widmen. Ideal wäre aber, mindestens zwei volle Tage in Salento zu verbringen, damit du sowohl das Valle de Cocora, als auch die Kaffeefincas besuchen kannst. Einen zusätzlichen Tag kannst du außerdem einem Ausflug in den Nationalpark Los Nevados widmen.

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